Kabel löten: Was muss ich beachten?

Die eigenen Kabel löten kann durchaus sinnvoll sein. Vor allem dann, wenn es die Kabel die man benötigt gar nicht zu kaufen gibt. Ein Adapter sollte nur im allerschlimmsten Notfall verwendet werden. Dagegen spricht einerseits die Hebelwirkung des künstlich verlängerten Steckers, so dass die Audiobuchsen schneller ausleiern und vielleicht irgendwann nicht mehr funktionieren, und auch (wenn auch minimale) Signalverluste.  Obendrein erschließt sich mit dem Adapter eine zusätzliche Fehlerquelle, die es ja eigentlich zu vermeiden gilt.

Aber auch bei handelsübliche Kabelformaten macht es Sinn den Lötkolben zu zücken, da bei Eigenkonstruktionen die genaue Kabellänge bestimmt werden kann und darüber entscheidet, welche Qualität an welchen Platz benötigt wird.

Das Material

Kabel: Billige Kabel haben leider oft die Eigenschaft das Lötzinn nicht so gut aufzunehmen, die einzelnen Adern brechen schneller und die Ummantlung (bzw. Erdung oder Isolierung) läßt sich nur schwer ablösen und man hat nach entfernung der Isolierung die Hälfte der fitzeligen Äderchen auch abgeschnippelt.

Die elektrischen Eigenschaften können meines Erachtens ruhig schon mal vernachlässigt werden. Es gibt da so enorm viel Pseudowissenschaftlichen Mumpitz der vermutlich wohl nur von Waldelfen mit besonders spitzen Ohren gehört wird (vor allem wenn es um Diamanteinarbeitung geht, da es dort absolut keinen Zusammenhang geben kann!). Trotz allem sollte man darauf achten, dass die Kabel nicht dünn wie Spinnengarn sind und beim ersten drauftretten zersplittern und oben genannte Defizite haben. Auch die Temperaturresistenz der Isolierung sollte so hoch sein, dass man löten kann, ohne dass das Kabel innerlich einen Kurzschluss verursacht, obwohl scheinbar alles korrekt verlötet ist.

Stecker: Bei den Steckern ist es so, dass billigere oftmals das Lötsinn ebenfalls nicht so gut annehmen und das Plastik auch nicht so hitzeresistent ist, so dass auch schon mal etwas wegschmilzen kann, wenn man nicht die perfekte Temperaturdosierung getroffen hat. Manchmal hilft dort zwar noch ein hin und her biegen unter anlegen einer wohldosierten Temperatur, aber das sollte eigentlich nur ein Notlösung sein. Vor allem wird es dann schwer, wenn eine gewisse Temperatur erforderlich ist, um eine perfekte Lötstelle zu erzeugen, der Stecker bei dieser aber bereits davonschmilzt. Somit hat man mit dem günstigen Stecker eine beschissene Lötstelle gekauft, die beim ersten Schlag nachgebessert werden darf. Im allerschlimmsten Fall ist der Stecker dann für immer und ewig im Eimer.

Das Werkzeug:

Der Lötkolben sollte ungefähr 30 Watt haben, um damit vernünftig in diesen Dimensionen zu arbeiten. Wenn man auch mal damit Platinen löten möchte sollte 30 Watt maximum sein.

Eine Haltevorrichtung für die Stecker ist unabdingbar. Die kann entweder ein altes Gerät sein, was nicht mehr benötigt wird ( wo man die Stecker rein stecken kann) oder eine dritte Hand (nein, nicht eben mal implantieren sondern eher eine Metallkonstruktion die speziell für Lötarbeiten entwickelt wurde).

Ich bevorzuge zum abisolieren eine Schere, da ich dort spüre, wann die Metalladern erreicht sind. Diese sollte um die Isolierung mit leichten, variierenden Druck gedreht werden. Irgendwann kann man die Isolierung einfach abziehen. Dieser Punkt sollte aber jeder für sich ausprobieren, wie es halt am besten klappt (Abisolierzange, Teppichmesser etc.).

Technik:

Zu allererst den Lötkolben einstöpseln und eine ganze Weile warten, bis er seine Betriebstemperatur erreicht hat. Vorher macht das Löten absolut keinen Sinn. Wenn es schnell gehen soll, legt den verfluchten Lötkolben weg!

Dann sollte der Stecker und das Kabel verzinnt werden (kurz ein bisschen Lötzinn draun klatschen, aber schon so, dass es eine Verbindung gibt), dann das Lötzinn am Stecker zum schmilzen bringen und das Kabel „integrieren“. Wenn sich beides verbunden hat den Lötkolben entfernen, ruhig halten, ein paar Sekündchen warten und dann freuen. Ein Zugtest (also einmal am Kabel ruckeln) kann ausschluss darüber geben, ob die Lötstelle auch wirklich stabil ist. Wer dort angst hat, sollte es lieber lassen. Das Kabel muss solche Aktionen überstehen, das es sich sonst spontan (zum Beispiel bei einer recording session) verabschiedet.  Das klingt einfach, erfordert aber ein Paar Anläufe und ein gewisses Gefühl für das Lötzinn, was eine tragende Rolle beim Löten spielt. Ist es matt, ist die Löstelle kalt, d.h. es wurde zu kurz der Lötkolben dran gehalten. Ein kurzes Ruckeln und der Kladaradatsch kann von vorne beginnen.  Glänzt es und es übersteht den Zugtest(der auch ruhig etwas ruppiger sein darf) wird es vermutlich erst mal halten.

Ein beliebter Fehler ist es eine perfekte Lötstelle zu erzeugen, aber zu vergessen, was eigentlich noch so alles an den Stecker dran gehört. Man sollte halt schon so ein bisschen 3 Dimensional an die Sache gehen. Niemand will eine Perfekte Lötstelle die offen daliegt, nur weil man zu faul war, das Gehäuse des Steckers „VOR“ dem löten über das Kabel zu stülpen. Guckt euch genau an wie der Stecker funktioniert und präpariert in aller Ruhe das Kabel. Dann erst zum Lötkolben greifen. Ich spreche aus Erfahrung ….

Worst Case Szenario und Fazit:

Der Horror wäre wohl ein Multicore anzufertigen, was mit billigen Kabeln und schlechten Steckern gebaut wird was 1. enorm viel Zeit zum bauen verbrennt und 2. nicht lange hält und Nachbesserungsarbeiten vorprogramiert sind. Somit sind die gesparten Euros hier definitiv fehl am Platz. Wenn jedoch lediglich mal gerade übergangsweise zu einem günstigeren Kram gegriffen werden soll, da ja eh demnächst das große Studio-Upgrade ansteht, sprechen die Nerven wohl nicht dagegen.

Für weiter Fragen bezüglich des Themas oder Verbesserungsvorschläge  bin ich natürlich offen. Vielleicht füge ich auch noch ein paar Bilder dazu, aber dann wohl eher nach meiner nächsten Lötsession.

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